Richard Kuöhl
Biografie
Richard Kuöhl orientierte sich zunächst am Jugendstil, wurde aber ab den 1920er Jahren aber vom Expressionismus geprägt. Bekannt ist Kuöhl für seine zahlreichen Bauplastiken in Hamburg, aber auch für seine wuchtigen und monumentalen Kriegsdenkmäler.
Richard Kuöhl stammte aus ärmlichen Verhältnissen, sehr früh verlor er zudem seinen Vater. Er erlernte den Beruf des Kunsttöpfers in der Keramischen Modellfabrik in Meißen. Nachdem er für kurze Zeit diesen Beruf ausübte, ging er von 1902 - 1905 auf die Kunstgewerbeschule Dresden, wo ihn auch Karl Grosz unterrichtete. 1910 lebte Kuöhl zunächst in Berlin, hier war er mit dem Entwerfen von Skulpturen, aber auch von Schmuck erfolgreich. 1912 entschloss er sich, nach Hamburg zu ziehen. Schon in Dresden hatte er Fritz Schumacher kennengelernt, der ihm – als Oberbaudirektor Hamburgs – mehrere Aufträge für Bauschmuck anvertraute. So schuf er 1923/24 etwa die Bauplastiken des Chilehauses. Von 1919 bis 1933 war er Mitglied der Hamburgischen Sezession. Ab 1933 passte sich Kuöhl dem nationalsozialistischen Regime an und erschuf monumentale Kriegerdenkmäler, wie etwa das später stark kritisierte sog. „76er-Denkmal“ (1936 eingeweiht) am Dammtorbahnhof in Hamburg, welches auch als Gegendenkmal zu der von nationalen Kreisen abgelehnten Stele Ernst Barlachs („Hamburger Ehrenmal“) auf dem Rathausmarkt fungieren sollte. Das Denkmal trägt unter anderem die Inschrift „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen.“ Kuöhl wurde in der NS-Zeit der meist beauftragte Bildhauer Hamburgs und Umgebung. 1943 wurde sein Atelier im Alstertal ausgebombt, und Kuöhl zog sich in sein Sommerhaus in Rohlfshagen (im Kreis Stormarn) zurück. Dort und in Bad Oldesloe arbeitete er auch nach dem Krieg weiter als Bildhauer, es entstanden in dieser Zeit vor allem Kriegsdenkmäler mit christlichen Inhalten.
Spuren in Hamburg
Hamburg, Dammtor-Bahnhof, Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des Hamburgischen Infanterie-Regiments Nr. 76
Hamburg, Chilehaus, Keramiken
Hamburg, Finanzbehörde Gänsemarkt, Keramiken
Bilder, Dokumente und Medien
literaturhinweise