Meister Francke
Biografie
Unterschiedliche Stileinflüsse prägen das Werk Meister Franckes, wodurch er als zur „Avantgarde“ der damaligen Künstler gehörend bezeichnet wurde. Sicher ist, dass er Einflüsse aus Paris aufnahm, möglicherweise auch aus dem Burgund und der franko-flämischen Region; auch der bekannte Konrad von Soest prägte Francke sicher. Dabei benutzte er gern klare, fließende Linien, um vor allem Dramatik zu schildern und zu polarisieren.
Meister Francke wurde um 1380/85 am Niederrhein geboren. In Geldern trat er dem Dominikanerkloster Zutphen bei. Als erstes Werk gilt ein Barbara-Altar im Nationalmuseum Helsinki, der 1412 geweiht wurde. Wann genau – und auch, warum – Francke nach Hamburg ging, ist unbekannt. Um diese Zeit ist die Hansestadt in kultureller Hinsicht kaum ein Anziehungspunkt gewesen. Spätestens seit 1424 lebte Francke als Mönch im Dominikanerkloster St. Johannis in Hamburg, da er in diesem Jahr einen Auftrag der Bruderschaft der Englandfahrer erhielt, einen Altar für die Thomas-Kapelle von St. Johannis zu erschaffen: ihr Schutzheiliger war Thomas von Canterbury. In diesem Dokument taucht auch die Bezeichnung mester auf, was darauf schließen liesse, dass Francke in Paris die Theologie studiert hatte, und es sich um eine Verdeutschung von Magister handelt, da er – als Mönch – kaum ein Handwerksmeister gewesen sein kann. Es kann davon ausgegangen werden, dass er in Paris außerdem in den Werkstätten der Buchmaler gelernt hatte. 1436 wurde der Altar aufgestellt. Ein weiterer Auftrag erfolgte 1429: die Bruderschaft der Schwarzhäupter in Reval ließ eine Altartafel für die Dominikanerkirche anfertigen, welche jedoch schon 1534/35 zerstört wurde. Als ein spätes Werk wird ein Schmerzensmann angesehen. Die Tafel befindet sich heute in der Hamburger Kunsthalle und entstand wohl um 1431, möglicherweise hing sie ursprünglich einmal in der Klosterkirche von St. Johannis in Hamburg. Lange Zeit war Meister Francke vergessen, man begann erst, Person und Werk zu erforschen, als Alfred Lichtwark den Thomas-Altar 1898 für die Hamburger Kunsthalle erwarb. Lichtwark war es auch, der 1899 eine erste Monographie zu Francke veröffentlichte.
Spuren in Hamburg
Meister-Francke-Straße, Barmbek-Nord, seit 1929
Bilder, Dokumente und Medien
literaturhinweise