Elfriede Lohse-Wächtler
Biografie
Elfriede Lohse-Wächtler schuf zahlreiche Grafiken, Aquarelle und Bleistiftzeichnungen. Als Motive haben sich Porträts und Selbstbildnisse erhalten, weiter viele Szenen aus dem Hafen- und Arbeitermilieu und einige Landschaften. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, war sie auch kunstgewerblich tätig und schuf Gebrauchsgrafik. Künstlerisch prägte sie zunächst ihr Dresdner Freundeskreis, später wandte sie sich der neuen Sachlichkeit und dem Realismus zu. Bekannt sind neben den zahlreichen Szenen des Hamburger Nachtlebens vor allem ihre Porträtstudien psychisch Kranker.
Elfriede Wächtler, die sich „Nikolaus Wächtler“ nannte, besuchte ab 1915 die Kunstgewerbeschule in Dresden, zunächst die Abteilung für „Mode und weibliche Handarbeiten“. Nach einem Jahr wechselte sie jedoch in die Klasse für angewandte Grafik, zusätzlich lernte sie an der Akademie Zeichnen und Malen. Sie fand Anschluss an den Kreis der Dresdner Sezession um Otto Dix, Conrad Felixmüller (dessen Atelier sie ab 1918 bezog) und Oskar Kokoschka. 1921 heiratete sie Kurt Lohse, einen Maler und Opernsänger. 1925 siedelten beide nach Hamburg über, wo sie kaum Anschluss an die lokalen Künstlerkreise fand; ihr Mann verließ sie, und ihre wirtschaftliche Situation verschlechterte sich. Wegen eines Nervenzusammenbruchs musste sie 1929 sieben Wochen in der Nervenheilanstalt Friedrichsberg verbringen. Dort entstandenen die so genannten „Friedrichsberger Köpfe“, Porträts der anderen Patienten, die sie in Hamburg ausstellte. Diese Serie machte sie schlagartig bekannt, die Hamburger Kunsthalle und das Altonaer Museum kauften ihre Werke. 1931 kehrte sie nach Dresden in ihr Elternhaus zurück. Im folgenden Jahr wurde sie in die Heilanstalt Arnsdorf in der Nähe Dresdens eingewiesen; ihr wurde Schizophrenie diagnostiziert. Bis 1935 war sie dort weiterhin kreativ tätig, es entstanden zahlreiche Bleistiftzeichnungen. 1935 wurde sie zwangssterilisiert. Ihre Familie hatte bis zuletzt versucht, dies zu verhindern. Ab diesem Eingriff kam ihre kreative Tätigkeit zum Erliegen. Die Bedingungen in psychiatrischen Anstalten hatten sich nach der Machtübernahme drastisch verschlechtert, der Kontakt zu ihrer Familie brach fast völlig ab. Am 31. Juli 1940 wurde sie im Rahmen der „T4-Aktion“ der Nationalsozialisten zur „Vernichtung unwerten Lebens“ nach Pirna-Sonnenstein gebracht und dort durch Kohlenmonoxyd ermordet.
Spuren in Hamburg
Ein Erinnerungsstein für sie steht im Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof
Elfriede-Lohse-Wächtler-Weg, Barmbek-Süd, seit 2008
Bilder, Dokumente und Medien
literaturhinweise