Johanne Reitze
Biografie
Johanne Reitze, geb. Leopolt entstammte einer Arbeiterfamilie. Nach ihrem Volksschulabschluss arbeitete sie als Dienstmädchen, später als Arbeiterin in einer Druckerei. Dort lernte sie Kollegen und Kolleginnen kennen, die sie mit der Arbeiterbewegung vertraut machten und trat 1902 in die SPD ein.
Zwei Jahre zuvor hatte sie den sozialdemokratischen Journalisten Johannes Carl Kilian-Reitze geheiratet. Zusammen mit ihm ging sie 1904 für ein halbes Jahr auf die Parteischule nach Berlin.
Von 1916 bis 1919 war Johanne Reitze Vorstandsmitglied im Landesvorstand der Hamburger SPD und bis 1931 regelmäßig Delegierte bei den SPD-Frauenkonferenzen und SPD-Parteitagen auf Reichsebene. Neben dieser Tätigkeit beteiligte sie sich im Ersten Weltkrieg in der Kriegshilfe, fungierte als Beiratsmitglied des Hamburger Kriegsversorgungsamtes und des Speiseausschusses der Kriegsküchen, außerdem arbeitete sie für die Kriegsfolgehilfe und die Kriegshinterbliebenenfürsorge.
Von 1919 bis 1921 wurde Johanne Reitze Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und von 1919 bis 1933 Mitglied des reichsweiten SPD-Parteiausschusses.
Ein Höhepunkt ihrer Parteikarriere war die 1919 erfolgte Wahl in die Nationalversammlung. Über das Wirken Johanne Reitzes während der NS-Zeit ist kaum etwas bekannt. 1944 wurde sie von der Gestapo verhaftet und kam in Schutzhaft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie am Wiederaufbau der Arbeiterwohlfahrt beteiligt.
Text: Rita Bake
Spuren in Hamburg
Ihr Grabstein steht im Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof.
Seit 1951 gibt es in Hamburg Groß Borstel den Reitzeweg und seit 2007 in Hamburg Ohlsdorf den Johanne-Reitze-Weg.