Walt(h)er Friedrich Classen
Biografie
Walt(h)er Classen war ein in Hamburg wirkender Theologe und Pädagoge. Er studierte Theologie, absolvierte in Hamburg 1896 und 1899 die beiden theologischen Examina und wurde 1903 ordiniert. Als Hilfsgeistlicher war er zunächst vor allem in der Jugendpflege tätig. Ab 1898 leitete er den Lehrlingsverein im Stadtteil Eilbek. Im April 1901 gründete er zusammen mit dem Richter und späteren Direktor der Jugendbehörde Dr. Wilhelm Hertz und dem Kaufmann und späteren Senator Dr. Heinrich Traun das durch Stiftungen und Spenden finanzierte „Hamburger Volksheim“ im Arbeiterviertel Hammerbrook. Dessen Mitarbeiter bemühten sich um die Arbeiterjugend und strebten als Gegengewicht zu den Sozialdemokraten eine „Verständigung“ mit den Arbeitern an, um ihnen Bildung und bürgerliche Werte zu vermitteln. Walter Classen verzichtete 1904 auf das Pfarramt, zumal er durch seine liberale Position und seine neuen Ansätze in Konflikt mit der Kirchenleitung geriet, und setzte die Volksheimarbeit hauptberuflich fort. Von 1916 bis zu seiner Pensionierung 1934 unterrichtete er die Fächer Religion, Deutsch und Geschichte - ab 1931 an der Oberrealschule St. Georg. Bereits seit 1915/16 hatte Classen am Allgemeinen Vorlesungswesen in Hamburg Vorlesungen und Kurse über Jugendpflege gehalten, von 1925 bis 1928/29 war er Leiter der Abteilung für Jugendpflege am Erziehungswissenschaftlichen Seminar der Universität und baute die Religionslehrerausbildung auf. Daneben war Classen auch als Schriftsteller sehr produktiv und veröffentlichte zahlreiche historische, theologische, pädagogische und literarische Werke, darunter Theaterstücke für die Jugendarbeit und eine dreibändige deutsche Geschichte. Von 1903 bis 1914 redigierte er die Monatsschrift für die deutsche Jugend „Die Treue“ und schrieb für die Monatlichen Mitteilungen der Hamburger Volksheime. Von 1927 bis 1933 gab er die Vierteljahrsschrift „Evangelisch-sozial“ mit heraus. Von 1924 bis 1930 war er Mitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentages, im Zweiten Weltkrieg übernahm er Pfarrvertretungen.
Classen vertrat einen diffusen „Rassebegriff“, distanzierte sich aber vom Antisemitismus und von der nationalsozialistischen Rassenlehre. Er ordnete Juden der „städtischen Rasse“ zu, die im Gegensatz zur deutschen „Landrasse“ stehe. Beim Übertritt zum Christentum gehen Juden im deutschen Volk auf. Inhaltlich ging es Walter Classen um die Gewinnung der Arbeiterjugend für eine christlich geprägte bürgerliche Gesellschaft und ihre Normen, für die Akzeptanz traditioneller Leitbilder und hierarchischer Strukturen. Gegen das Anwachsen materialistischer, freireligiöser Anschauungen wollte er mit einem liberalen und für die Moderne offenen Christentumsverständnis gerade Arbeiter wieder der Kirche näher bringen. Wenngleich er konservative und z.T. auch völkische Ideen vertrat, so war er für seine Zeit mit seinen Zielen und Methoden vielfach sehr modern. Walter Classens Engagement für die Jugend resultierte aus seinen völkischen Anschauungen, er verstand sie als Teil seiner Arbeit zur Förderung des deutschen Volkstums.
Bilder, Dokumente und Medien
literaturhinweise