Prof. Dr. Dr. h.c. Wilhelm Flitner

Biografie

Wilhelm Flitner studierte von 1909 bis 1913 Germanistik, Anglistik, Geschichte und Philosophie in München und Jena, wo er in der freiakademischen Jugend aktiv war und zum „Sera-Kreis“ um den Verleger Eugen Diederichs zählte. 1912/13 wurde Flitner mit einer Arbeit über den Philosophen und Fichte-Schüler August Ludwig Hülsen promoviert. Nach dem Staatsexamen für das höhere Lehramt in den Fächern Deutsch, Englisch, Geschichte und philosophische Propädeutik begann er 1914 seine Referendarzeit, nahm dann aber von 1914 bis 1918 als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil, so dass er seine Ausbildung erst 1919 abschließen konnte. 1919 gründete Flitner nebenamtlich die Jenaer Volkshochschule und leitete sie als Geschäftsführer. Ab 1920 war er Studienrat in Jena. Dort habilitierte er sich 1922 mit einer Arbeit über „Grundfragen der Didaktik“ und erhielt die venia legendi für Philosophie und Pädagogik. 1923 gehörte er kurzzeitig der SPD an, ansonsten war er parteilos. Von 1925 bis 1937 war Flitner erster Schriftleiter der Zeitschrift „Die Erziehung“. Nachdem er 1926 an die Pädagogische Akademie in Kiel berufen worden war und von 1927 bis 1929 auch als Professor an der dortigen Universität wirkte, lehrte der Mitbegründer der "geisteswissenschaftlichen Pädagogik" von 1929 bis zu seiner Emeritierung 1958 Erziehungswis­senschaft an der Ham­burger Universität, wobei er sich besonders in der Lehr­erbildung engagier­te und zahlreiche Standardwerke vorlegte.

Einen Einschnitt bedeutete die Verlagerung der Lehrerbildung an die 1936 gegründete "Hochschule für Lehrerbildung", durch die an der Universität die praktische Seite des erziehungswissenschaftlichen Lehrbe­triebes entfiel. Flitner weitete daher seine Lehrtätigkeit in die Bereiche Philosophie und Kulturge­schichte aus. In seinen Vorlesungen versuchte er, eine Gegenposition zur NS-Ideologie aus der europäischen Geistesgeschichte heraus zu begründen, nachdem er 1933 noch das Bekenntnis der Professoren zu Adolf Hitler unterzeichnet hatte.

Nach 1945 war Flitner Mitherausgeber der Zeitschriften „Die Sammlung“ (1945-1960), „Der Evangelische Erzieher“ (ab 1949) und der „Zeitschrift für Pädagogik“ (1955-1968) sowie von 1956-1965 Herausgeber der „Pädagogischen Texte“. Von 1951 bis 1961 war er Vorsitzender des Schulausschusses der Westdeutschen Rektorenkonferenz und Vorsitzender des Kuratoriums des Hansischen Goethe-Preises. Er beeinflusste entscheidend die westdeutsche Bildungspolitik, besonders die Reform des Gymnasiums. 1963 erhielt er den Goethe-Preis der Stiftung F.V.S., 1964 die theologische Ehrendoktorwürde der Tübinger Universität und die Medaille für Kunst und Wissenschaft der Freien und Hansestadt Hamburg.

Bilder, Dokumente und Medien

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literaturhinweise