Franz Otto Hennecke
Biografie
Franz Hennecke war ab 1907 Pastor an mehreren Hamburger Kirchen. Er gehörte zu einer Gruppe von Hamburger Pastoren, die in der Weimarer Republik aus Gewissensgründen disziplinarrechtlich belangt bzw. in den Ruhestand versetzt wurden. Nach dem Abitur 1896 studierte er in Dortmund, Göttingen, Marburg und Bonn Theologie, legte 1899 und 1902 die theologischen Examina ab und wurde im folgenden Jahr Pastor in Mengede bei Dortmund.
1907 wechselte Hennecke nach Hamburg und wirkte als Pastor an St. Katharinen. Während des Ersten Weltkrieges war er freiwillig Feldgeistlicher. 1921 wurde er Pastor an der Hauptkirche St. Nikolai und von dort in die Synode entsandt. Der liberale Theologe engagierte sich seit 1912 im lokalen Vorstand des Protestantenvereins und war Mitherausgeber des Deutschen Protestantenblattes.
Bereits in Mengede hatte Hennecke die vorgeschriebene Liturgie verändert, was von seinen Vorgesetzen missbilligt wurde. In seiner Hamburger Zeit begann er, kontroverse Titel zu publizieren. Sein erstes Buch „Meister des Lebens“ (1927) führte bereits zu Konflikten. Deutlich wurde darin eine idealistische, naturverbundene, leicht schwärmerische Theologie. Hennecke zielte auf die Formulierung einer modernen Frömmigkeit, was aber von der Mehrheit des Geistlichen Ministeriums als Widerspruch zum Amtsgelübde verstanden wurde.
Im Herbst 1931 erreichte die Auseinandersetzung ihren Höhepunkt durch Henneckes Aufsatz „Von der Kirche und ihrer Barmherzigkeitsmission“, der im folgenden Jahr auch in seinem zweiten Buch „Frömmigkeit, wage eigne Wege!“ erschien. Damit wollte er auf die Reformbedürftigkeit der Kirche hinweisen, an der er drei Punkte kritisierte: Die Kirche unternehme nicht genug, um die „soziale Frage“ zu lösen, sie wende sich zu wenig den religiösen Bedürfnissen des modernen Menschen zu und sei in ihrer Sexualmoral ausschließlich auf die Ehe konzentriert. Insbesondere der dritte Punkt führte zu massiver Kritik. Umgehend wurde ein Disziplinarverfahren vom Kirchenrat eingeleitet. Vor allem Haupastor Theodor Knolle drängte auf Amtsenthebung. In St. Nikolai erbrachte eine Resolution für Hennecke und die von ihm vertretene „weitherzige und weltoffene Frömmigkeit“ 3.000 Unterschriften. In einem Vergleich einigte man sich schließlich darauf, dass das Disziplinarverfahren eingestellt wurde und Hennecke auf sein Amt verzichtete. Die Rechte des Geistlichen Standes behielt er. Zum 1. Mai 1933 wurde er emeritiert.
Bilder, Dokumente und Medien
literaturhinweise