Heinrich Steinhagen
Biografie
Heinrich Steinhagen schuf zahlreiche Grafiken, darunter auch Zyklen, sowie Zeichnungen und Aquarelle, aber auch Gemälde, welche ihn zu einer führenden Persönlichkeiten des Hamburger Expressionismus machten. Thematisch setzte er sich, vor allem nach den traumatischen Erlebnissen des Ersten Weltkrieges, mit religiösen Sujets auseinander. Darüber hinaus malte er aber auch Ansichten Hamburgs, Porträts sowie Motive aus dem Arbeiter- und Bauernleben.
Heinrich Steinhagen wurde als Sohn eines Pastors in Wismar geboren, wo er eine begonnene Lehre zum Dekorationsmaler ebenso abbrach wie ein Studium an der Akademie, um sich statt dessen autodidaktisch zu bilden. 1898 kam er nach Hamburg. Er wurde durch Museumsankäufe und ein Atelier in der Kunsthalle unterstützt und konzentrierte sich vor allem auf grafische Arbeiten. 1912 gewann er einen internationalen Grafik-Wettbewerb. Zur Zeit des Ersten Weltkrieges musste er als Soldat nach Frankreich und Russland. Er desertierte schwer verwundet kurz vorm Ende des Krieges. 1918 trat er der KPD bei, ein Jahr später gehörte Steinhagen zu den Mitbegründern der Hamburgischen Sezession. Bereits 1923 kehrte er der Hamburger Kunstszene jedoch den Rücken: Er verkaufte sein sämtliches Œuvre an den Kunsthändler Sommer und kaufte sich in Rahlstedt ein 8000 qm großes Grundstück, auf dem er sein Lebenswerk begann. Als Gesamtkunstwerk baute er sich ein Haus, die Ziegel brannte er aus dem lehmhaltigen Boden, und stattete es mit eigenen Fresken, Skulpturen, Wandbildern und Möbeln aus. Da er den Bau ohne behördliche Genehmigung begonnen hatte, kam es immer wieder zu Problemen. Steinhagen war mehrmals verheiratet: Aus der Ehe mit Ottilie Klügel gingen zwei, aus der mit Maria Rommel vier Kinder, aus einer anderen Verbindung stammte ein weiteres Kind. 1937 wurde ein Selbstbildnis Steinhagens aus der Hamburger Kunsthalle beschlagnahmt. Im gleichen Jahr brannte sein Haus, auch „Rahlstedter Schloss“ genannt, völlig aus, viele seiner Werke wurden vernichtet. Der Architekt Fritz Höger half ihm bei den Plänen zum Wiederaufbau. Wegen öffentlicher Kritik an Hitler musste Steinhagen 1944 für vier Monate in ein KZ. Sein Haus, zum zweiten Mal errichtet, war zu einem bekannten und beliebten Künstlertreff geworden. 1948 starb Heinrich Steinhagen in seinem Haus an Lungenkrebs, den vermutlich das ständige Einatmen des Lehmstaubes beim Hausbau verursacht hatte. 1963 wurde das „Rahlstedter Schloss“ (mitsamt seinem Inventar) abgerissen.
Spuren in Hamburg
Spuren in Hamburg:
- Grosslohering 14 ist seit 2009 eine Gedenktafel von der Patriotischen Gesellschaft
Steinhagenweg, Rahlstedt, seit 2011
Bilder, Dokumente und Medien
literaturhinweise